mehr
geld mit
strategie
Jung im Job, aber unsicher beim Verhandeln? fair now! hat mit dem Gehaltsexperten Conrad Pramböck gesprochen — er verrät, wie man klug, selbstbewusst und strategisch mehr aus Gehaltsgesprächen rausholt.

Fotocredit:
Peter Schmidt
Conrad Pramböck, Geschäftsführer Upstyle Consulting
„es war ein desaster“,
erinnert sich Conrad Pramböck an sein erstes Gehaltsgespräch. Mit schweißnassen Händen saß er seinem ersten Chef gegenüber, hatte wochenlang den Moment hinausgezögert. Als sein Vorgesetzter dann fragte, welche Gehaltsvorstellung er denn habe, brachte er kaum einen zusammenhängenden Satz heraus. „Ich war komplett unvorbereitet, hatte keine Ahnung von üblichen Gehaltsspannen und konnte meine bisherigen Leistungen nicht überzeugend darstellen.“ Eine Erfahrung, die der heutige Gehaltsexperte und Geschäftsführer von Upstyle Consulting mit vielen jungen Berufstätigen teilt.
Wie der erste Kuss
„Die erste Gehaltsverhandlung ist wie der erste Kuss - man weiß nicht genau, wie man es angehen soll, ist nervös und hat Angst, etwas falsch zu machen“, so Pramböck schmunzelnd. „Und gleichgültig, wie es für dich gelaufen ist: Du hast dabei wichtige Erfahrungen gesammelt, um es beim nächsten Mal besser zu machen.“ Nach über 25 Jahren Beratungserfahrung kennt er die Herausforderungen junger Menschen in Gehaltsverhandlungen nur zu gut. Üblicherweise berät Conrad Pramböck mit seinen Gehaltsstudien Personalabteilungen großer Unternehmen dabei, marktübliche Gehälter festzusetzen. Aber auch wenn ihn Privatpersonen anrufen, nimmt er sich gerne Zeit für ihre Anliegen. Jungen Menschen zu Beginn ihrer Karriere steht er besonders gerne mit seinem Rat und Marktwissen zur Seite. Besonders kritisch sieht der Gehaltsexperte die fehlende Verhandlungsstrategie vieler junger Menschen. „Sie gehen oft völlig unvorbereitet in Gespräche, können ihre Erfolge nicht quantifizieren und lassen sich von geschickten Gegenargumenten aus dem Konzept bringen.“ Dabei wäre gerade eine systematische Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg. „Wer seine Leistungen dokumentiert, Marktwerte recherchiert und Gesprächsszenarien durchspielt, tritt ganz anders auf.“
Junge Menschen tappen meist im Dunkeln
Gleichzeitig warnt der Experte vor überzogenen Erwartungen, die durch mediale Erfolgsgeschichten geweckt werden. „Wenn man ständig von 25-jährigen Start-up-Millionär:innen liest, verliert man leicht den Bezug zur Realität.“ Stattdessen plädiert er für eine realistische Einschätzung der eigenen Position und schrittweise, aber konsequente Gehaltsentwicklung. Ein weiteres Kernproblem sieht Pramböck im fehlenden Netzwerk der Berufsanfänger:innen: „Während erfahrene Mitarbeitende oft genau wissen, was ihre Kolleginnen und Kollegen verdienen und welche Gehälter am Markt üblich sind, tappen junge Menschen meist im Dunkeln.“ Diese Unsicherheit führt häufig zu einer zu defensiven Verhandlungsstrategie. „Sie haben Angst, als gierig wahrgenommen zu werden, wenn sie mehr Gehalt fordern.“ Die Abhängigkeit vom ersten Arbeitgeber verschärft die Situation zusätzlich. „Viele klammern sich an ihren ersten Job, auch wenn das Gehalt nicht stimmt“, erklärt Pramböck. „Sie fürchten, woanders noch schlechtere Bedingungen vorzufinden oder als ‚Jobhopper‘ abgestempelt zu werden.“ Eine Sorge, die der Experte für übertrieben hält: „Der Arbeitsmarkt hat sich gewandelt. Heute ist es völlig normal und sogar erwünscht, in den ersten Berufsjahren verschiedene Erfahrungen zu sammeln.“
Bessere Verhandlungen führen
„Es ist wie beim Hausbau – man braucht ein solides Fundament, bevor man in die Höhe bauen kann“, betont Pramböck. Dieses Fundament beginnt für ihn bei der gezielten Übernahme von Verantwortung. „Warten Sie nicht, bis Ihnen jemand große Projekte anvertraut“, rät er seinen jungen Klient:innen. „Beginnen Sie mit kleinen Initiativen, dokumentieren Sie Ihre Erfolge und bauen Sie darauf auf.“ Besonders wichtig ist dem Experten auch der systematische Aufbau von Netzwerken. „Ihr Chef ist dabei Ihr wichtigster Verbündeter“, erklärt Pramböck. „Investieren Sie in diese Beziehung, zeigen Sie Interesse an seinen Zielen und machen Sie deutlich, wie Sie ihn dabei unterstützen können.“ Gleichzeitig empfiehlt er, den Radius kontinuierlich zu erweitern: Gespräche mit Kolleg:innen aus anderen Abteilungen, Teilnahme an Branchenevents, aktive Präsenz auf LinkedIn. Das mangelnde Selbstbewusstsein vieler junger Menschen sieht Pramböck als überwindbares Hindernis. „Üben Sie Verhandlungsgespräche, bis sie sich natürlich anfühlen“, rät er. Eine seiner Klientinnen nahm die Gespräche sogar auf Video auf. „Am Anfang war es ihr peinlich, sich selbst zu sehen. Aber nach einigen Durchgängen entwickelte sie eine Körpersprache und Rhetorik, die auch erfahrene Verhandlungspartner beeindruckte.“
Bei der Verhandlungsstrategie plädiert Pramböck für akribische Vorbereitung. „Kennen Sie Ihre Zahlen, haben Sie Beispiele für Ihre Erfolge parat, und üben Sie mögliche Einwände.“ Dabei warnt er vor überzogenen Erwartungen: „Orientieren Sie sich an realistischen Gehaltsspannen und planen Sie Ihre Entwicklung in machbaren Schritten.“ Wer sein Gehalt um zehn Prozent pro Jahr steigern kann, liegt nach kurzer Zeit im Spitzenfeld. Größere Gehaltssprünge gibt es meist nur bei Jobwechseln. Seine wichtigste Botschaft richtet sich an die langfristige Perspektive: „Machen Sie sich unverzichtbar“, betont er. „Entwickeln Sie Fähigkeiten, die im Unternehmen und am Markt gefragt sind. Übernehmen Sie Verantwortung in strategisch wichtigen Projekten. Bauen Sie sich im Unternehmen und darüber hinaus einen Ruf als verlässliche:r Leistungsträger:in auf.“
Bei der Verhandlungsstrategie plädiert Pramböck für akribische Vorbereitung. „Kennen Sie Ihre Zahlen, haben Sie Beispiele für Ihre Erfolge parat, und üben Sie mögliche Einwände.“ Dabei warnt er vor überzogenen Erwartungen: „Orientieren Sie sich an realistischen Gehaltsspannen und planen Sie Ihre Entwicklung in machbaren Schritten.“ Wer sein Gehalt um zehn Prozent pro Jahr steigern kann, liegt nach kurzer Zeit im Spitzenfeld. Größere Gehaltssprünge gibt es meist nur bei Jobwechseln. Seine wichtigste Botschaft richtet sich an die langfristige Perspektive: „Machen Sie sich unverzichtbar“, betont er. „Entwickeln Sie Fähigkeiten, die im Unternehmen und am Markt gefragt sind. Übernehmen Sie Verantwortung in strategisch wichtigen Projekten. Bauen Sie sich im Unternehmen und darüber hinaus einen Ruf als verlässliche:r Leistungsträger:in auf.“
Gehalt folgt guter Leistung
„Der Schlüssel liegt in der Kontinuität“, fasst Pramböck zusammen. „Gehaltsverhandlungen gewinnt man nicht am Verhandlungstisch, sondern in der täglichen Arbeit davor. Wer diese Grundlagen gelegt hat, immer hervorragend leistet und sein Netzwerk gepflegt hat, für den läuft auch das Gehaltsgespräch besser. Das Wichtigste ist, die Angst vor Gehaltsverhandlungen zu verlieren“, resümiert Pramböck. „Mit der richtigen Strategie und Vorbereitung können auch junge Menschen ihre Interessen selbstbewusst vertreten.“ Er selbst hat aus seinem ersten, missglückten Gehaltsgespräch gelernt – und gibt dieses Wissen heute gerne an die nächste Generation weiter.