kapitalmärkte: ein jahr voller bewegung

Welche Herausforderungen und Chancen 2025 bereithält und wie die fair-finance Vorsorgekasse AG durch das neue Jahr navigiert, erzählt Multi-Asset-Manager Christoph Siegele im Gespräch mit fair now!
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für viele bringt
der Jahreswechsel eine langersehnte Verschnaufpause mit sich: Die Füße werden hochgelegt, der Alltag bleibt vor der Tür. Doch, so zeigen die Kapitalmärkte deutlich, draußen dreht sich die Welt in Höchstgeschwindigkeit weiter. Bereits in den ersten Wochen des Jahres 2025 hat sich einiges getan – und auch die kommenden Monate werden immer wieder in dynamische Fahrwasser führen.
Ein reger Rückblick
Der ein oder die andere mag sich noch erinnern: 2024 hielt einige Überraschungen in petto, von enormen Schwankungen auf den Staatsanleihemärkten über „deutliche Kursgewinne“ der Kreditmärkte bis hin zu abermals verteuerten Bewertungen der Aktien. „Die Aktienmärkte waren nur schwer in der Aufwärtsbewegung zu stoppen – vor allem das positive Sentiment sowie der anhaltende Hype um die Künstliche Intelligenz sorgten für Kauflaune bei den Investor:innen“, fasst es Christoph Siegele zusammen. Zwar sah 2024 große geopolitische Unsicherheiten, insbesondere im Nahen Osten und der Ukraine; deren Einfluss war jedoch vergleichsweise gering, kurzfristig und betraf vorrangig die Ölmärkte, sagt Siegele. Unerwartet war der Einbruch Anfang August, der zum einen „für uns wenig nachvollziehbare US-Rezessionsängste“ zur Folge hatte, zum anderen einen der größten Tagesverluste im japanischen Leitindex Nikkei. „Ausgelöst durch die unerwartete geldpolitische Wende der Bank of Japan, was kurzfristig die Euphorie der Aktienmärkte eintrübte.“
Zahlreiche politische Agenden werden definitiv die Märkte im Jahr 2025 bewegen und für Vola­tilität sorgen.
Christoph Siegele, Multi-Asset-Manager der fair-finance Vorsorgekasse
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Neues Jahr, neues Glück — alte Lasten?
Was 2025 alles bringen wird, kann nur die Zeit zeigen. „Die USA haben einen neuen (alten) Präsidenten gewählt, weshalb rund um den Globus die Trump’sche Unsicherheit wieder auf der täglichen Agenda steht“, stellt Christoph Siegele klar. „Vermutlich wird er aber noch radikaler und unberechenbarer als in seiner ersten Amtszeit agieren – und das soll was heißen.“ Das wird in den kommenden Monaten zu immer wieder neu zu bewertenden Situationen führen. Eines erwartet der Multi-Asset-Manager aber schon jetzt: „Wirtschaftlich werden die USA in der kurzfristigen Betrachtung tonangebend sein.“ Voraussetzung dafür sei das Ausbleiben externer Schocks; ansonsten scheint das Geld der ­US-Konsument:innen derzeit „nicht zu eng zu liegen“, ergänzt der Experte: „Der Arbeitsmarkt ist nach wie vor sehr solide aufgestellt, und die Gewinne von US-Unternehmen wachsen.“ Dennoch ist der Zenit wohl erreicht. Die geplanten fiskalpolitischen Maßnahmen der usa könnten wirtschaftlichen Gegenwind erzeugen; das äußerte sich bereits in höheren Staatsanleiherenditen. Gegenmaßnahmen der Trump-Administration sind gefordert. Außerdem deute alles auf derzeit überbewertete Aktienmärkte hin, bei zeitgleich zu überschwänglicher Euphorie. „Aus diesem Grund ist der Ausblick unseres Erachtens zu optimistisch, gegeben der zahlreichen Unsicherheiten“, so der Manager.
In Europa hingegen sei die Situation genau umgekehrt, mit zig politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten. „Aber hier könnte Europa überraschen, denn die Nacht ist kurz vor der Dämmerung bekanntlich am dunkelsten“, sagt Christoph Siegele. Zu hoffen sei, dass die Politik, auch im Angesicht des länderübergreifenden Rechtsrucks, wie bisher auch besonnen und gemeinschaftlich agiert. Ähnlich in China, wo sich positive Auswirkungen durch Regierungsmaßnahmen auch global zeigen könnten – im Blick behalten müsse man dabei die USA: „Auf der Gegenseite der Risikofaktoren lauert US-Präsident Trump mit der Zollkeule und könnte damit für extreme Bewegungen an den Märkten sorgen.“
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Von Aktien, Anleihen & Zukunftswellen
Hinsichtlich der Aktienmärkte befindet die fair-finance Vorsorgekasse: Aufgrund der derzeit hohen Unternehmensbewertungen und Rekordstände vieler Märkte sowie der Schwankungen durch Trump bestehe „ein asymmetrisches Risikoprofil nach unten“. Mögliche Verluste sind demnach im Vergleich zu möglichen Gewinnen höher, besonders bei US-Aktien. Attraktiver seien hingegen Anleihen, auch, wenn Unternehmensanleihen aufgrund der Renditeaufschläge bei Investment Grade Bonds und High Yield Bonds derzeit teurer ausfallen. „Man sollte daher nicht die Augen vor der Realität verschließen und hoffen, dass die Aktienmarkt-Party der letzten drei Jahre so weitergehen wird“, betont Christoph Siegele. Staatsanleihen, insbesondere Europäische, bieten eine stabile Rendite und können helfen, Verluste zu begrenzen, wenn die Aktien- oder Kreditmärkte fallen. Auch das Thema Inflation, das 2025 wieder marktbestimmend werden könnte, wird eher von den Anleihemärkten eingepreist als von den Aktienmärkten, welche die Augen vor diesen Entwicklungen verschließen.

Die nicht nachhaltigen Schuldenstände vieler Länder könnten in diesem Jahr zu mehr Bewegungen an den Anleihemärkten führen, so der Multi-Asset-Manager: „Die Anleihemärkte sind ein (über)mächtiger Gegner und haben bereits viele Länder und politische Karrieren begraben, wie beispielsweise jüngst in England oder Frankreich, wo sie für großen Tumult gesorgt haben.“ Im Bereich der Künstlichen Intelligenz sind 2025 immer wieder neue, teilweise nicht vorhersehbare Entwicklungen zu erwarten. So beeinflusste das neue chinesische ki-Modell DeepSeek erst zu Beginn des Jahres die KI-Welle maßgeblich, was dazu führte, dass der Chiphersteller NVIDIA an nur einem Handelstag rund 600 Milliarden US-Dollar an Börsenwert verlor. „Inwieweit diese Entwicklung das Sentiment der Investor:innen zu vernebeln mag, bleibt abzuwarten und zu beobachten.“

Hinzu kommen weltweite politische Risiken wie nationalistische Ideologien oder Trumps Androhung weltweiter Zölle, welche für stets neu zu umschiffende Situationen sorgen werden. „Diese politischen Agenden werden definitiv die Märkte im Jahr 2025 bewegen und für Volatilität sorgen“, fasst es der Multi-Asset-Manager zusammen. Für fair-finance bedeutet das weiterhin, am Puls der Zeit und der Märkte zu bleiben und bei all den „Untiefen“, die das neue Jahr bereithält, auf Kurs zu bleiben.
Kurz erklärt: High Yield Bonds
Unter High Yield Bonds versteht man Anleihen mit niedriger Bonität. Sie bieten einerseits ein höheres Risiko, gleichen dieses aber aus, indem sie höhere Zinsen bieten als sichere Anleihen. Sie werden häufig als „Junk Bonds“ bezeichnet, da ihre Kreditwürdigkeit unterhalb des Investment-Grade-Niveaus liegt.