frühlingserwachen im weinberg
Mit dem Erwachen der Natur kehrt Leben in die Weinberge zurück, und im Weinbau beginnt eine der spannendsten und arbeitsreichsten Phasen des Jahres.


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Julius Hirtzberger
Katharina Salzgeber und Nikolaus Saahs vom Nikolaihof arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie.
während die landschaft
aus ihrem Winterschlaf erwacht, bereiten sich die Winzerinnen und Winzer auf die neue Wachstumsperiode vor. Doch in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle spielt, geht es längst nicht mehr nur um klassische Methoden. Biodynamische Anbauweisen, wie sie am Nikolaihof in Mautern in der Wachau praktiziert werden, setzen auf einen ganzheitlichen Ansatz, der Umwelt, Pflanze und Mensch in den Mittelpunkt rückt.
Das Geheimnis des Rebwassers
Rebwasser, von den Römern „Lacryma vitis“ (Tränen des Weinstocks) genannt, ist ein echtes Naturwunder. Diese kostbare Flüssigkeit tritt im Frühjahr aus den angeschnittenen Rebzweigen aus und dient der Rebe als Schutz. Es enthält wertvolle Nährstoffe und hilft, die Wunde des Weinstocks zu versiegeln. Auch Hildegard von Bingen erkannte die wertvolle Wirkung des Rebwassers, das traditionell zur Beruhigung empfindlicher Haut eingesetzt wurde. Die Demeter-zertifizierte Kosmetiklinie „dieNikolai“ nutzt dieses natürliche Geschenk in ihrer Traubenkernkosmetik. Die Pflegeprodukte sind zu 100 % biologisch, palmölfrei, mineralölfrei und kommen ohne künstliche Zusatzstoffe aus.
Genuss
Ein Besuch im Nikolaihof Wachau ist eine Reise durch Geschichte, Wein und Kulinarik. In der gemütlichen Weinstube genießen Gäste traditionelle Gerichte in jahrhundertealter Atmosphäre. Für Weinliebhaber bietet der „Salon 77“ eine besondere Gelegenheit: Hier werden die preisgekrönten, biodynamischen Weine des Hauses in stilvollem Ambiente verkostet.
Erholung
Das Bio-Gästehaus „ad vineas“ ist der ideale Ausgangspunkt, um die Region zu erkunden. Die vier geräumigen Chalets und der weitläufige Garten mit Schwimmbiotop und Abenteuerspielplatz machen es besonders für Familien attraktiv.

Bio-Traubenkosmetik vom Nikolaihof Wachau

Nikolaihof: Geschichte, Wein und Kulinarik
Ein neuer Zyklus beginnt
Der Frühling ist die Zeit des Aufbruchs. Die ersten Arbeiten im Weinberg umfassen den Rebschnitt, die Bodenpflege und die Vorbereitung auf die Wachstumsphase. „Der Rebschnitt legt den Grundstein für die Qualität der Trauben“, erklärt Nikolaus Saahs vom Nikolaihof, dem ältesten Weingut Österreichs. Dabei wird darauf geachtet, dass die Pflanzen gesund bleiben und ausreichend Platz für die Entfaltung neuer Triebe haben. Gleichzeitig wird der Boden gelockert und mit organischem Material angereichert, um die Nährstoffversorgung der Reben zu sichern. Im biodynamischen Weinbau spielt der Boden eine zentrale Rolle. „Ein lebendiger Boden ist die Grundlage für alles. Er muss atmen und voller Leben sein“, betont Saahs. Am Nikolaihof kommen keine chemisch-synthetischen Dünger oder Pestizide zum Einsatz. Stattdessen werden natürliche Präparate wie Hornmist verwendet, die den Boden regenerieren und die Reben widerstandsfähiger machen. Diese homöopathisch dosierten Mittel fördern die Fruchtbarkeit und stärken das gesamte Ökosystem des Weinbergs. Neben der Pflege des Bodens spielt die Begrünung zwischen den Rebzeilen eine wichtige Rolle. Gründüngung mit speziellen Pflanzen wie Klee oder Lupinen erhöht die Biodiversität und schafft Lebensraum für Nützlinge wie Insekten oder Regenwürmer. Diese tragen wiederum dazu bei, das Gleichgewicht im Weinberg zu wahren.

Die Biodynamie ist kein Trend, sondern eine Haltung.
Katharina Salzgeber
Biodynamie: Die Kunst des Gleichgewichts
Der biodynamische Weinbau basiert auf den Prinzipien des Anthroposophen Rudolf Steiner. Ziel ist es, den Weinberg als lebendigen Organismus zu betrachten, in dem alles miteinander verbunden ist – von den Mikroorganismen im Boden bis hin zu den Reben und den Menschen, die sie pflegen. „Die Biodynamie ist kein Trend, sondern eine Haltung“, erklärt Katharina Salzgeber, Kellermeisterin am Nikolaihof. „Wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie.“ Ein zentrales Element der Biodynamie ist der Mondkalender. Viele Arbeiten im Weinberg, wie das Ausbringen von speziellen Präparaten oder das Schneiden der Reben, werden nach den Mondphasen ausgerichtet. Das Ziel ist, die natürlichen Rhythmen der Pflanzen zu unterstützen und ihre Vitalität zu steigern. Auch die Verwendung von Hornkiesel ist für biodynamische Betriebe wie den Nikolaihof essenziell. Dieses pflanzenstärkende Mittel wird im Frühjahr auf die Blätter der Reben gesprüht, um die Lichtaufnahme zu verbessern und die Photosynthese zu fördern. Die Kombination aus natürlichen Methoden und traditionellem Wissen führt zu einem natürlichen Gleichgewicht, das sich positiv auf die Qualität der Trauben auswirkt. Der Nikolaihof ist ein Beispiel dafür, wie sich Tradition und Innovation verbinden lassen. Das Weingut, dessen Geschichte bis in die römische Zeit zurückreicht, setzt konsequent auf biodynamische Methoden und verzichtet auf schnelle, industrielle Prozesse. Stattdessen reifen die Weine in historischen Eichenfässern – manche von ihnen über Jahrzehnte.


Martin Saahs: „Es geht darum, Verantwortung für die nächsten Generationen zu übernehmen.“
Nachhaltigkeit als Zukunftsmodell
Nachhaltigkeit ist längst mehr als ein Schlagwort – sie ist zur Notwendigkeit geworden, um den Weinbau zukunftsfähig zu machen. Der Klimawandel stellt Winzer:innen vor enorme Herausforderungen: Heißere Sommer, unregelmäßige Niederschläge und neue Schädlingsarten verlangen nach innovativen Lösungen. Der biodynamische Ansatz bietet hier Antworten, da er auf robuste Reben und gesunde Böden setzt. „Nachhaltigkeit beginnt im Kopf. Es geht darum, Verantwortung für die nächsten Generationen zu übernehmen“, sagt Martin Saahs, der mit seiner Demeter-zertifizierten Kosmetiklinie „dieNikolai“ einen neuen Weg gefunden hat, die Ressourcen des Weinguts zu nutzen. Aus bisher ungenutzten Rohstoffen wie Traubenkernöl, Lindenblüten und anderen Zutaten aus dem Weinberg entstehen hochwertige Pflegeprodukte, die nach den gleichen Prinzipien wie die Weine hergestellt werden: natürlich, nachhaltig und regional.

Frühling als Neuanfang
Das Frühlingserwachen im Weinberg ist mehr als eine Phase im landwirtschaftlichen Kalender. Es ist der Beginn eines neuen Zyklus, der von harter Arbeit, großer Hoffnung und dem unermüdlichen Streben nach Exzellenz geprägt ist. Biodynamische Methoden zeigen, dass nachhaltiger Weinbau nicht nur möglich, sondern auch lohnenswert ist – für die Umwelt, für die Menschen und für den Geschmack. „Wir sind Teil eines großen Kreislaufs“, sagt Nikolaus Saahs. „Alles, was wir tun, wirkt sich auf die Zukunft aus – und das ist eine Verantwortung, die wir ernst nehmen.“ Der Frühling ist dabei nicht nur für die Natur ein Neuanfang, sondern auch für den Menschen, der von ihr lernt und mit ihr arbeitet.
Fotocredits
ANNA Lun, Stefan Fürtbauer, Julius Hirtzberger, beigestellt