die kunst
des minimalismus

Dass weniger Besitz zu mehr Freiheit führt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Die Minimalismus-Expertin Theresa Dutzler erklärt, worauf es ankommt.
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minimalismus ist weit mehr
als nur ein kurzlebiger Trend: Hinter dem Buzzword verbirgt sich eine regelrechte Lebenseinstellung, die immer mehr Menschen für sich entdecken. Sie strebt den bewussten Verzicht auf jeglichen Überfluss an. Dieser soll nicht nur zu einem nachhaltigeren, geordneteren Leben führen, sondern auch auf psychischer Ebene guttun.
Sich auf das Wesentliche konzentrieren und Überflüssiges loslassen
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Wenn weniger mehr bringt
Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Überflüssiges loszulassen: Das möchte der Minimalismus bewirken. „Der ‚Trend‘ zum Minimalismus ist meist eine Reaktion auf unsere Konsum- und Wegwerfgesellschaft“, erklärt die österreichische Glücks- und Resilienztrainerin Theresa Dutzler, Gründerin von „Minimal ist in“. „Viele überdenken aktuell eine Welt, in der das Streben nach noch mehr Besitz, das zu immer mehr Stress und Unzufriedenheit führt, normalisiert wird.“ Weniger zu besitzen sei dabei eine effektive, einfache Lösung, zeigt sie sich überzeugt: „Es ist ein unwahrscheinlich befreiendes Gefühl, nur noch von Dingen umgeben zu sein, die du liebst!“ Das belegen auch Studien; so konnte ein Forschungsteam der University of North Texas in der Analyse von 23 Fachstudien den Zusammenhang zwischen einer minimalistischen Lebensführung und erhöhter Zufriedenheit nachweisen.*

Dem Minimalismus wohnt darüber hinaus eine starke Nachhaltigkeitskomponente inne. Zum einen steige die Wertschätzung des bestehenden Besitzes, wie die „Minimal:ist:in“ sagt: „Dinge, die man besitzt, ‚möchten‘ gepflegt werden: geputzt, gewartet, repariert, verstaut.“ Indem weniger konsumiert und weggeworfen wird, sinkt zugleich auch der Ressourcenverbrauch; die Umwelt atmet auf. Wer selbst minimalistischer leben möchte, kommt um eine kritische Reflexion des eigenen Konsumverhaltens nicht umhin. „Ich überdenke Neuanschaffungen, überlege – manchmal lange – und entscheide bewusst, wo und ob ich etwas kaufe oder ob ich es lieber ausleihe“, erzählt Theresa Dutzler. Zu Beginn genüge es aber schon, minimalistische Ansätze in den Lebensstil zu integrieren. „Es muss nicht in Perfektion gelebt werden!“, so die Expertin. Man solle sich fragen: „Wo, in welchem Bereich ist es mir möglich, diverse Ansätze umzusetzen? Was passt gerade zu mir und meinem Lebensstil?“ Dass die Konsumgesellschaft den „Trend“ mittlerweile aufgegriffen hat und „nachhaltige“ Kleidung oder Produkte anbietet, sei natürlich ein Widerspruch, bemerkt Theresa Dutzler: „Sobald das als ‚Lifestyle‘ vermarktet wird, ist die Absicht natürlich der Konsum. Am nachhaltigsten und der wirklich minimalistische Weg ist: Nicht (sofort) zu konsumieren!“ Minimalismus bietet die Chance, ein bewussteres, nachhaltigeres Leben zu führen.

„Es ist eine Reise ohne Ende. Denn bewusste Konsumentscheidungen hören nie auf“, gibt Dutzler zu bedenken. Und vielleicht findet man entlang des Weges zu mehr Ruhe und Zufriedenheit in unserer oft hektischen Überflussgesellschaft.
Minimal ist in: Praxistipps
✱ Bestandsaufnahme und Aussortieren:
„Bewusst machen, was schon alles da ist: Was brauche ich, welche Gegenstände bereiten mir tatsächlich Freude?“
✱ Konsum einschränken: Punktuell auf Dinge verzichten:
„Ich habe etwa mit einem Jahr Kleiderfasten begonnen.“
✱ Reflexion des Konsumverhaltens:
„Jede neue Konsumation (zumindest eine Zeit lang) dokumentieren. Alleine das Wissen, dass jede Anschaffung in meiner Auflistung ersichtlich ist, bringt mich zum Nachdenken, ob ich dieses Produkt tatsächlich besitzen möchte.“
Quellenangaben
*Joshua Hook et al: Minimalism, voluntary simplicity, and well-being. In: The Journal of Positive Psychology, Vol 18, 2023.