alle vögel
sind schon da

So wie das bekannte Kinderlied die Rückkehr der Vögel feiert, kündigen auch heute noch die ersten Zugvögel den Frühling an. Mit ihren Flügen aus den Überwinterungsgebieten signalisieren sie nicht nur den Beginn einer neuen Saison, sondern verdeutlichen auch das empfindliche Gleichgewicht unserer Ökosysteme. Doch die fliegenden Reisenden stehen vor wachsenden Herausforderungen: Der Klimawandel beeinflusst nicht nur ihre Reisezeiten, sondern auch die Lebensräume, die sie dringend benötigen. fair now! hat darüber mit Matthias Schmidt, Ornithologe bei BirdLife Österreich, gesprochen.
Fotocredit:
Johannes Hohenegger/ Birdlife
Ein Hausrotschwanz
„zu den ersten arten,
die im Frühling nach Österreich zurückkehren, gehören Singdrossel, Kiebitz, Feldlerche und Star“, erklärt Matthias Schmidt. Diese Vögel sind nicht nur eine Augenweide für ­Naturliebhaber:innen, sondern auch die wahren Vorboten des Frühlings. Auch größere Arten wie der Weißstorch und der Kuckuck begrüßen die neue Jahreszeit mit ihren Gesängen und läuten damit den Frühling ein. Ihre Ankunft ist nicht nur ein ästhetisches Erlebnis, sondern erfüllt auch bedeutende ökologische Aufgaben. „Zugvögel wie etwa der Kiebitz oder die Singdrossel nutzen das wieder anwachsende Insektenangebot als Nahrungsquellen und tragen so zu einem ökologischen Gleichgewicht bei“, so Schmidt. Zudem sind die Vögel Teil der Nahrungskette und füllen wichtige Nischen im Ökosystem, die während der Wintermonate unbesetzt bleiben.
Fotocredit:
Otto Samwald/ Birdlife,
Eine Bachstelze
Wichtige Rastgebiete und Lebensräume
Rast- und Brutgebiete spielen eine entscheidende Rolle für den Vogelzug. „Hotspots wie der Seewinkel, der Bodensee und die Donau- und March-Auen sind wichtige Stationen auf den langen Zugstrecken“, betont Schmidt. Diese Gebiete bieten Zugvögeln nicht nur dringend benötigte Ruheplätze, sondern tragen auch zur Artenvielfalt in der Region bei. Doch viele dieser Lebensräume sind bedroht – durch den Verlust von Feuchtgebieten und die zunehmende Versiegelung. „Zusätzlich können klimatische Veränderungen die Situation verschärfen“, so der Ornithologe. Einige Arten kehren inzwischen früher aus ihren Überwinterungsgebieten zurück, während andere später oder gar nicht mehr ziehen. Diese Verschiebungen stören das sensible Gleichgewicht zwischen Vogelzug und Vegetation und erschweren die Aufzucht der Jungvögel bei manchen Arten. Schmidt: „Besonders Langstreckenzieher haben Probleme, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Das gefährdet ihre Nahrungssuche zur Brutzeit.“ Auch Extremwetterereignisse wie plötzlicher Schneefall im Frühjahr stellen eine wachsende Bedrohung dar. „Beispielsweise können Singdrosseln oder Schwarzkehlchen in großer Zahl verhungern, wenn sie von Schlechtwetterbedingungen überrascht werden“, warnt Schmidt. Diese Entwicklungen verdeutlichen, wie stark der Klimawandel die Vogelwelt unter Druck setzt.
Fotocredit:
Michael Dvorak/ BirdLife Österreich
Die Feldlerche gehört zu den Ersten, die im Frühling zurückkehren.
Schutzmaßnahmen
„Der Schutz der Zugvögel beginnt mit dem Schutz ihrer Lebensräume“, sagt Schmidt. So wird etwa in verschiedenen Naturschutz-Projekten mit Managementmaßnahmen versucht, den Seewinkel als international bedeutendes Rastgebiet zu erhalten. Ebenso entscheidend ist der Erhalt von Zugkorridoren, damit die Vögel auf ihren langen Reisen nicht durch Hindernisse wie Windkraftanlagen oder fehlende Rastplätze aufgrund intensiver Landwirtschaft beeinträchtigt werden. „Nicht jede Fläche muss intensiv genutzt werden – die Natur braucht Raum für sich selbst“, erklärt der Experte. Klimaschutz und der Schutz der Biodiversität gehen oft Hand in Hand: Wer seinen ökologischen Fußabdruck reduziert, schützt nicht nur Zugvögel, sondern trägt auch zum Erhalt des gesamten Ökosystems bei. Zusätzlich können sich Naturfreundinnen und -freunde durch Citizen-Science-Projekte wie die Dokumentation der Ankunft von Arten wie dem Kuckuck oder den Kranichen engagieren. „Solche Projekte helfen uns, wichtige Daten zu sammeln und die Rückkehr der Zugvögel langfristig zu sichern“, so Schmidt. 
Fotocredit:
BirdLife Österreich
Der Klima­wandel führt zu Verschiebungen
und Verlusten von Lebensräumen.
Matthias Schmidt
Infos & Mitmachmöglichkeiten unter
www.birdlife.at