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Ein T-Shirt ab drei Euro und ein kleines Schwarzes um einen Zwanziger?
Fast Fashion beherrscht nicht nur bei der Generation TikTok die Modebranche.
Von kurzen Glücksgefühlen, Wegwerfmentalität, Umweltsünden und Modemüll.
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Bis vor etwa hundert jahren war die Anschaffung eines neuen Kleidungsstücks etwas Besonderes. Man suchte Kleidermacher:innen und Schneider:innen auf, ein Kostüm oder eine Abendrobe waren das Produkt langwieriger Beratungsgespräche, Anproben und entsprechender Wartezeiten.
Fast Fashion: Impuls-Shopping für das kleine, schnelle Glück
Die Kund:innen von heute ticken anders, die Modebranche erst recht. Power-Shopping ist besonders bei der Generation TikTok ein hochemotionaler Vorgang, der vordergründig schnell mal happy macht. Die Fast-Fashion-Produktion ist genau darauf ausgerichtet: schnell und kostengünstig Mode auf den Markt zu werfen und damit unmittelbar auf Trends reagieren zu können. Die China-Marke „Shein“ als meistbesuchte Modewebsite der Welt (209,5 Millionen Visits, mit großem Abstand folgt Nike mit 175,5 Millionen Visits, beide im Zeitraum November 2023) erkennt mittels einer Software sofort Trends ihrer Marke im Netz, kann innerhalb kürzester Zeit nachproduzieren und den Markt so weiter befeuern: 10.000 neue Produkte auf der Plattform pro Tag sind dabei keine Seltenheit. Inditex als weltweit größte Modegruppe (Zara, Bershka u.a.), aber auch Primark, Uniqlo, H&M, KIK, Mango und GAP spielen im Fast-Fashion-Business mit.
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Mode als Umweltproblem: Klimasünder Textilbranche
Ein T-Shirt umrundet nicht selten mehrmals den Erdball, bevor es bei uns im Kasten liegt. Produziert wird in Billiglohnländern wie Pakistan, Indien und Bangladesch. Bei der Herstellung der Tonnen an Kleidung werden enorme Mengen an Wasser und fossilen Energien (Erdöl und Kohle) aufgewendet: Etwa 10 Prozent aller Treibhausemissionen gehen so auf das Konto der Textilindustrie – mehr als alle internationalen Flüge und die Schifffahrt gemeinsam verursachen. Synthetische Fasern (Polyester, Polyacryl, Polyamid, Elasthan) verursachen besonders viele Emissionen, Baumwolle wiederum benötigt extrem viel Wasser. So verbraucht die Produktion eines T-Shirts 2.700 Liter Trinkwasser, das reicht für den Bedarf eines Menschen für zweieinhalb Jahre. Bei jedem Waschen eines synthetischen Kleidungsstücks werden zudem winzige Plastikpartikel ins Wasser abgegeben, diese Fasern gelangen so über das Abwasser ins Meer und in Kläranlagen, auf Felder und ins Grundwasser. 35 Prozent des gesamten Mikroplastiks im Meer stammt allein von unserer Kleidung.
Müllberge aus Mode für einen Hungerlohn
Synthetischen Billigtextilien, die nach dem Waschen einlaufen und fusseln, sind nur kurze Lebenszeiten in unserem Kleiderkasten beschieden. So landen weltweit jedes Jahr 92 Millionen Tonnen Kleidungsstücke auf gigantischen Mülldeponien in Kenia, Ghana oder Mosambik. Nicht einmal ein Viertel der Textilien wandert in die Altkleidersammlungen, wird getauscht oder recyclet. Nach dem Onlinekauf gleich retournierte Stücke werden nicht selten geshreddert, denn ein Repackaging lohnt nicht. Für die Produktion dieser Mode-Müllberge zahlen auch die führenden Brands der Modebranche ihren Arbeiter:innen in Pakistan oder Indien nicht mehr als einen Hungerlohn. Die von der EU geförderte „Kampagne für Saubere Kleidung“ (Clean Clothes Campaign) informiert über die Ausbeutung von Arbeiter:innen in der Textilproduktion und klärt auf, welche Schritte seitens Politik und Produzenten gesetzt werden müssen, um ihnen ein existenzsicherndes Auskommen zu sichern.
How to exit fast fashion: von Fast zu Fair Fashion
Laut Greenpeace ist das ökologischste Kleidungsstück das, das gar nicht erst produziert wird. Die Fashion4Future-Aktion der Caritas wiederum setzt auf den Trend Secondhand-Mode: „Fashion muss nicht nur fast, Fashion kann auch sinnvoll sein“. Ob es sich nun Vintage, Upcycling oder Preloved-Mode nennt: Die Renaissance von Secondhand-Mode ist nicht nur abwechslungsreich, sondern auch nachhaltig und ökologisch ein Schritt Richtung Fair Fashion. 
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