die vergänglichkeit der dinge

Obsoleszenz. Nicht ewig, sondern vergänglich. Produktverschleiß ist Alltag.
Doch Lösungen existieren.
Fotocredit:
shutterstock
Der Konsum steigt durch eine verkürzte Produkt­lebensdauer.
beinahe unspektakulär
hängt sie da, in einem bis heute aktiven Feuerwehrraum in Livermore, Kalifornien, umgeben von Löschfahrzeugen: die älteste Glühbirne der Welt. Das „Centennial Light“ leuchtet seit 1901 und gilt als Beleg für etwas, das 1925 geschah: In diesem Jahr trafen sich die international führenden Glühbirnenhersteller, bekannt als Phoebuskartell, in Genf. Sie entschieden, die Lebensdauer der Glühbirnen merklich zu kürzen – der erste Fall geplanter Obsoleszenz.
Produktvergreisung heute
Heute sind es die Waschmaschinen, die bereits nach sieben Jahren den Geist aufgeben. Oder Smartphones – allen voran iPhones, deren Akkuleistung so merklich gemindert wurde, dass Apple im letzten Jahrzehnt Bußzahlungen in Millionenhöhen entrichten musste. Dieses kurzlebige Produktdesign wird mittlerweile „vorzeitige Obsoleszenz“ genannt, weiß Sepp Eisenriegler, Leiter des R.U.S.Z. Reparatur- und Service-Zentrums. Schnell, nachdem er dieses 1998 gegründet hatte, stieß er auf die gezielte Produktvergreisung. Seitdem macht er sich eindrucks- und wirkungsvoll für Langlebigkeit von Elektrogeräten stark. „Es sind nicht die bösen Hersteller, die den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen wollen – vielmehr ist es ein Fehler unseres wachstumsgetriebenen Wirtschaftssystems“, erklärt der „Lobbyist mit Lötkolben“, wie ihn Die Zeit betitelte.

Das Resultat: eine verkürzte Produktlebensdauer und die durch gezieltes Marketing verkürzte Produktnutzung. So steigt der Konsum von Smartphones, Kühlschränken und Co. ungehindert. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind immens: Pro Jahr werden weltweit 53,6 Millionen Tonnen Elektroschrott erzeugt.¹

Für die Herstellung wiederum sind Unmengen wertvoller Rohstoffe nötig – auf Gewinnung und Verarbeitung dieser materiellen Ressourcen entfallen über 55 Prozent der Treibhausgasemissionen.² Sepp Eisenriegler setzt sich also aus gutem Grund für Ressourceneffizienz ein. Das Sozialunternehmen des Lobbyisten ist das einzige in Österreich, das von der UN in den SDG Good Practice gelistet wird. Er betreibt eine Weiterbildungsakademie sowie das größte Re-Use-Center für Haushaltsgroßgeräte hierzulande und ist Mitbegründer von PREUSE. Sein Engagement führte außerdem dazu, dass das Recht auf Reparatur und die Kreislaufwirtschaft heute EU-Ordnungspolitik sind: Hersteller von Waschmaschinen und anderen Haushaltsgroßgeräten sind angewiesen, ihre Produkte langlebiger und leichter reparierbar zu bauen; Ersatzteile müssen mindestens zehn Jahre lang zur Verfügung gestellt werden. Ein Sieg für die Langlebigkeit.
Tipps
✱ Für Privatpersonen: Reparaturbonus. Der EU-finanzierte Bonus deckt bis zu 200 Euro der Reparaturkosten defekter Elektrogeräte.
✱ Film: „Kaufen für die Müllhalde“. Eindrücklicher Dokumentarfilm von Cosima Dannoritzer rund um die geplante Obsoleszenz – von GM bis hin zum Nylonstrumpf.

✱ Buch: „Konsumtrottel“. Sepp Eisenriegler erklärt, „wie uns die Elektro-Multis abzocken und wie wir uns wehren können“, inklusive einfacher Reparatur- und Wartungstipps.

✱ Alltag: Waschgänge. Empfehlung des Profis: Reduzierung der Wasch- temperatur auf 20 bis 30 Grad, Essig oder Zitronensäure zur gelegentlichen Entkalkung der Maschine. Verzicht aufs Bügeln nach dem Waschgang.
Reparatur für die Umwelt
Der wichtigste Lösungsansatz liegt derzeit in der Reparatur. Aufgrund fehlender Maßnahmen sind diese jedoch meist sehr teuer – nur auf österreichischer Ebene gibt es mit dem Reparaturbonus, für den die EU 130 Millionen Euro zur Verfügung stellt, einen Lichtblick. Und in Zukunft? „Zunächst braucht es einen EU-weiten Reparaturbonus“, so der Experte, „und im nächsten Schritt eine sozial verträgliche ökologische Steuerreform in Europa, nach der die Budgets der Nationalstaaten in Zukunft nicht mehr mit menschlicher Arbeitskraft, sondern mit dem Ressourcenverbrauch gefüttert werden.“ Je knapper die natürliche Ressource, desto höher soll der Kostenbeitrag für deren Verwendung sein – so sein Ziel. Diese Lösung würde ökologisches Verhalten belohnen und könnte die Preise langlebiger Produkte effektiv senken. In der Zwischenzeit wirkt Sepp Eisenriegler unbeirrt weiter, im Großen wie im Kleinen: Mit den Reparaturcafés etwa fördert er das Bewusstsein der Allgemeinheit in Sachen Langlebigkeit – mit Lösungen, die jede:r von uns sofort umsetzen kann. Denn auch wir Konsument:innen sind Teil des Kreislaufs.